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RdF-News
02.11.2018
RdF-News
DK: EBA-Stresstest 2018 zeigt insgesamt die Widerstandsfähigkeit der deutschen Kreditwirtschaft

 

Die deutschen Kreditinstitute haben sich im Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) insgesamt als robust und hinreichend widerstandsfähig erwiesen. Das erklären die in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) zusammengeschlossenen Verbände mit Blick auf die nun vorliegenden Ergebnisse. Die Risikopuffer sind in den vergangenen Jahren in Deutschland kräftig aufgestockt  worden. Vor allem bei der harten Kernkapitalquote (CET1-Ratio) sei Ende 2017
eine sehr gute Ausgangslage gegeben gewesen.

Der EBA-Stresstest beinhaltet ein Basisszenario mit einem europaweit erwarteten fortgesetzten Wirtschaftsaufschwung und ein adverses Szenario, mit dem die Kreditinstitute „gestresst“ werden. Das adverse Szenario geht von einem makroökonomischen Abschwung aus und unterstellt Stressannahmen über die Entwicklung langfristiger Zinssätze, die Änderung der Aktien- und Wechselkurse, der Inflationsraten, der Arbeitslosenquoten und der Wohnimmobilienpreise.

Der Stresstest trifft damit eine Aussage über hypothetische Ereignisse und Ergebnisse („was wäre wenn“), die als sehr unwahrscheinlich zu beurteilen sind. Zudem wird unterstellt, dass die Institute selbst keinerlei Möglichkeit haben, auf eine negative Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu reagieren, indem sie beispielsweise Risiken abbauen oder ihr Eigenkapital erhöhen. Für einen Zeitraum von drei Jahren ist das ebenfalls eine Annahme, die sehr unrealistisch erscheint. Die DK betont daher, dass damit keine Prognose über eine zukünftige Entwicklung vorliegt.

Trotz dieser restriktiven Annahmen und des sehr strengen Belastungsszenarios, dem bisher schwersten Szenario in einem Stresstest, hätten die die deutschen Kreditinstitute insgesamt ihre Widerstandsfähigkeit gezeigt. Und das, obwohl aufgrund der sehr guten wirtschaftlichen Lage Deutschlands für sie ein noch deutlich strengeres Belastungsszenario im Vergleich zum EU-Durchschnitt angenommen wurde. Die harte Kernkapitalquotehabe sich naturgemäß als Reaktion auf den Stress reduziert, sie sei jedoch in der Regel auf einem guten Niveau geblieben. Wo eine weitere Aufstockung der Puffer sinnvoll sei, werde diese auch unabhängig vom Stresstest bereits aktiv angegangen, sodass die künftige Belastbarkeit der Institute weiter gestärkt werde.

Wie bereits 2016 enthielt auch der Stresstest 2018 keine Vorgabe einer Hürde, um den Stresstest zu bestehen. Die Deutsche Kreditwirtschaft begrüßt, dass die Aufsicht mit diesem Ansatz eine differenzierte Betrachtung der Institute anstelle von „Schwarz-Weiß-Denken“ ermöglicht. Damit werde insbesondere vermieden, dass zwei nahezu gleich kapitalisierte Institute (unmittelbar ober- und unterhalb der Hürde) als „gut“ oder „schlecht“ angesehen werden. Und: Dadurch folgten den Ergebnissen nicht unmittelbar bankaufsichtlich verordnete Kapitalmaßnahmen. In den Fokus würden vielmehr Kriterien für individuelle Sensitivitäten wie z. B. die Reduzierung der CET1-Ratio als „Verletzlichkeitsmaß“ von Kreditinstituten rücken. Zudem würden die Ergebnisse differenziert in den „Supervisory Review and Evaluation Process“ (SREP) eingehen, insbesondere zur Bestimmung der Kapitalempfehlungen zur Säule 2 (Pillar 2 Guidance - P2G).

Die DK befürwortet diese Entwicklung, da mit dem SREP ein geeignetes und differenzierendes Instrument eingesetzt werde, um den individuellen Kapitalisierungsbedarf festzustellen. Allerdings weist sie auch darauf hin, dass es nicht möglich ist, die bankindividuellen Stresseffekte direkt in eine bestimmte Kapitalquote umzurechnen. Der EBA-Stresstest ist somit nur einer von mehreren Bestimmungsfaktoren für die Säule 2-Kapitalquoten, die durch weitere umfangreiche Analysen der Aufseher ergänzt werden.

Im Rahmen des EBA-Stresstests würden aus Gründen der Vergleichbarkeit standardisierte einheitliche Vorgaben an ganz unterschiedliche Institute gestellt. Die Vorgaben seien also nicht auf das individuelle Bankportfolio zugeschnitten. Deshalb dürften sie in ihrer Aussagekraft nicht überschätzt werden und müssten durch die Bankenaufsicht individuell interpretiert werden.

Vor diesem Hintergrund sprechen sich die deutschen Banken und Sparkassen nach der nunmehr dritten Durchführung eines Stresstests dafür aus, die Komplexität künftiger Tests zu reduzieren. Damit könnte nicht nur der hohe Umsetzungsaufwand für die beteiligten Kreditinstitute und Behörden verringert werden. Auch der Zeitraum, um einen Stresstest durchzuführen, könnte damit verkürzt werden.

(PM DK vom 2.11.2018)

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